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COVID-19: Haustiere entwickeln Antikörper

COVID-19: Haustiere entwickeln Antikörper Patricia Lösche COVID-19: Haustiere entwickeln Antikörper

Kurzversion

Zwei neue Studien belegen, dass sich Hund und Katze mit COVID-19 anstecken können. Katzen zeigen dabei stärkere Symptome als Hunde und können sich unter bestimmten Haltungsbedingungen eher anstecken. Ob die Tiere potenzielle Erregerreservoirs darstellen, ist bislang nicht bekannt. Lediglich der Übertragungsweg vom Menschen auf Hunde und Katzen wurde nachgewiesen.

Katzen können sich besonders dann mit COVID-19 anstecken, wenn sie mit im Bett schlafen. (Quelle: https://pixabay.com/de/photos/katze-lag-bett-schlafzimmer-1818927/)

 COVID-Ansteckung bei Hund und Katze nachgewiesen

Können Hund und Katze an COVID-19 erkranken? Sind sie vielleicht sogar Überträger? Diese Fragen beschäftigen viele Tierhalter. Auch Wissenschaftler der Universität Utrecht wollten wissen, inwieweit Hunde und Katzen sich bei ihren erkrankten Besitzern mit dem Pandemievirus SARS-CoV-2 anstecken können und ob sie möglicherweise sogar als Erreger-Reservoir infrage kommen.

An der noch unveröffentlichten Studie des holländischen Forscherteams um Dr. Els Broen, die im Juli 2021 auf dem 31. European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ECCMID) vorgestellt wurde, nahmen 196 Haushalte mit 156 Hunden und 154 Katzen teil. Das Ergebnis in Kürze:

  • insgesamt 4,2 Prozent der Tiere (sechs Katzen und sieben Hunde) erkrankten
  • 31 Katzen und 23 Hunde (17,4 Prozent) hatten einen positiven Antikörper-Test
  • damit ist die Infektion nachgewiesen
  • die Tiere zeigten keine oder nur sehr geringe Symptome

Folgetests an 11 der positiv auf das Virus getesteten Katzen zeigten drei Wochen später, dass alle Antikörper bildeten, sie also an COVID-19 erkrankt gewesen waren. Drei von ihnen waren es noch immer und wurden ein drittes Mal getestet. Am Ende waren alle Katzen PCR negativ, hatten die Infektion gut überstanden und Antikörper entwickelt.

Haustiere übertragen kein COVID-19

Theoretisch könnten diese Haustiere als Virus-Reservoir dienen. Aber bislang wurde noch kein Fall nachgewiesen, bei dem ein Erreger vom Haustier auf den Menschen übertragen wurde, so die Wissenschaftler. Der einzig nachgewiesene Übertragungsweg sei der vom Menschen auf das Tier. „Es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass Haustiere im Pandemiegeschehen eine Rolle spielen ", wird Studienleiterin Dr. Els Broens von der Universität Utrecht von BBC News zitiert. In acht der Haushalte mit positiv getesteten Tieren untersuchten die Wissenschaftler weitere Haustiere. Keiner der Tests hatte ein positives Ergebnis. Das Virus wurde also nicht von Tier zu Tier übertragen.

Hund und Katze können an COVID-19 erkranken

Auch Dr. Dorothee Bienzle und Dr. Scott Weese von der Universität in Guelph (Ontario/Kanada) stellten ihre Studie auf dem Kongress vor. Ihrer Studie zufolge tragen Katzen, die das Bett mit ihren an COVID-19 erkrankten Haltern teilen, ein erhöhtes Infektionsrisiko. Sie lägen häufig neben dem Kopf ihres Menschen und seien den Erregern wesentlich intensiver ausgesetzt als Hunde, heißt es bei ihnen.

Die kanadischen Wissenschaftler testeten mit 48 Katzen und 54 Hunden aus 77 Haushalten eine deutlich kleinere Gruppe auf Antikörper. Anders als die holländischen Kollegen erfassten sie aber die Haltungsbedingungen und verglichen die gewonnenen Daten mit einer Referenzgruppe aus Tierheimhunden und -katzen sowie Streunerkatzen.

Im Ergebnis kamen sie zu deutlich höheren Prozentzahlen als die Autoren der holländischen Studie. Positiv auf Antikörper getestet wurden bei den Tieren aus Privathaushalten:

  • 32 Katzen (67 Prozent)
  • 23 Hunde (43 Prozent)

Dagegen hatten in der der Tierheimgruppe lediglich neun Prozent der Tiere einen positiven PCR-Test, von den Streunerkatzen sogar nur drei Prozent. Der Abgleich mit den Haltungsbedingungen ergab, dass Katzen, die mehr als 19 Stunden pro Tag in engem Kontakt zu ihren erkrankten Besitzer standen und in deren Bett schliefen, das höchste Risiko trugen, auch das Virus mit ihnen zu teilen.

Katzen entwickeln stärkere COVID-19-Symptome

Wie in der holländischen Studie zeigten die in Kanada positiv getesteten Hunde keine bis sehr milde Symptome (Appetitlosigkeit). Von den infizierten Katzen entwickelten immerhin 25 Prozent COVID-19-artige Symptome wie Nasenausfluss und erschwerte Atmung. Drei entwickelten sogar starke Symptome.

Alle Wissenschaftler empfehlen erkrankten Menschen, ihre Haustiere durch das Tragen einer Atemmaske vor einer Infektion zu schützen. „Zu diesem Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass, wenn wir erkranken, unsere Haustiere ebenfalls gefährdet sind. Sie sollten also wie alle anderen Mitglieder des Haushaltes geschützt werden“, sagte Bienzle auf NBC-News.

Quellenauswahl

EurekAlert! der American Association for the Advancement of Science

https://www.eurekalert.org/pub_releases/2021-06/esoc-ssi062921.php

Ontario Veterinary College (University of Guelph)

https://ovc.uoguelph.ca/news/pets-high-risk-covid-19-infection-owners-ovc-research-finds

BBC News vom 11.7.2021, Zugriff 15.7.2021

https://www.bbc.com/news/health-57666245

Patricia Lösche

Patricia Lösche ist ausgebildete Tierheilpraktikerin und Tierpsychologin mit ATN-Abschluss. Sie arbeitet seit über 40 Jahren mit Tieren und behandelt in ihrer Tierheilpraxis erkrankte Pferde, Hunde und Katzen mit Akupunktur, Homöopathie, Phytotherapie und Blutegeln. Sie ist Mitglied im Fachverband niedergelassener Tierheilpraktiker (FNT) und im Verband der Tierpsychologen und Tiertrainer (VDTT).

Tierberufe Ausbildung bei der ATN Akademie

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