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Amygdala - Die VDTT Online-Zeitung

Neues und Interessantes aus der Welt der Tiere

Gedanken zum Fleischkonsum

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Und mehr denn je fand ich es fragwürdig, Fleisch aus dem Supermarkt zu kaufen und die damit in Zusammenhang stehenden Haltungsbedingungen zu ignorieren. Den letzten Anstoß, hier konsequenter zu sein, gab mir ein Artikel aus der Zeitschrift „Schrot und Korn“, die man in Reformhäusern und Bioläden erhält. Es handelt sich um ein Interview mit Dr. Rüdiger Dahlke, das Thema war „Frieden beginnt auf dem Teller“. Herr Dahlke beschreibt sehr anschaulich die Zusammenhänge zwischen dem ungeheuren Fleischkonsum der westlichen Welt, dem Einfluss auf die Welternährungssituation, auf das Klima und auf unsere Gesundheit.

Selbst wenn man Probleme wie Welternährung und Klima nicht an sich herankommen lassen möchte, sollten einen seine Gedanken zum gesundheitlichen Risiko des Fleischkonsums von Tieren aus Massentierhaltung nachdenklich stimmen: „Da die Tiere heute in der Regel – nach einem elenden kurzen Leben in Tier-Zucht-Häusern – in Großschlachthöfen enden und vor ihrem Tod ansehen und mit allen Sinnen erleben müssen, wie viele Artgenossen vor ihnen drankommen, schütten sie noch vor der Schlachtung alles an Angst- und Stresshormonen aus, was möglich ist ….:“. (Zitat aus dem Interview mit Dr. Dahlke).

Ob wissenschaftlich bewiesen ist, dass diese Hormone im Fleisch bleiben oder nicht, war für mich an dieser Stelle nicht mehr wirklich ausschlaggebend. In mir war plötzlich der Gedanke: ich studiere Tierpsychologie, befasse mich mit der Psyche, den Verhaltensauffälligkeiten oder –störungen von Haustieren, setze Katzen auf die „virtuelle Couch“, um ihnen zu mehr Wohlbefinden zu verhelfen, beschäftige mich mit Pferden bei einem Pferdeflüsterer – aber zur Haltung von Nutztieren schließe ich die Augen und verdränge, so als ob diese Leben weniger Bedeutung hätten.

Wir wissen heute, dass Tiere Gefühle haben, die denen des Menschen vergleichbar sind, dass sie unter artfremden Lebensbedingungen (genau wie Menschen auch) psychische Störungen, ja sogar Depressionen bekommen können. Wir haben es uns zum Beruf gemacht, unsere Sensibilität für Tiere zu vertiefen und dies zu nutzen, um uns in sie hineinzuversetzen, ihre Bedürfnisse und Anpassungsprobleme zu verstehen, ihnen zu helfen, ein artgerechtes und glückliches Leben zu leben, - und dieses Wissen an andere weiterzugeben.     Wenn nicht wir, wer dann sollte sich besser vorstellen können, was auch Nutztiere empfinden und brauchen, um zumindest ein würdiges und angstfreies Leben zu leben. Ich denke, dass gerade wir als angehende oder praktizierende Tierverhaltensberater, -psychologen oder -trainer uns für eine artgerechte Haltung von sog. Nutztieren einsetzen sollten und müssen + es zu einer Art „Ehrenkodex“ unseres Berufes gehören sollte, uns für alle Tiere stark zu machen. Erst das wird uns wirklich glaubhaft werden lassen.

Der Konsum von Fleisch aus Massentierhaltung als Tierverhaltensberater oder Tierpsychologe ist für mich ein wenig wie das Tragen eines Pelzmantels beim Ausführen eines Hundes – hier das geliebte Tier an der Leine, das, artgerecht ernährt und gehalten, Spaß haben darf, während ich das Leiden und Sterben der Pelztiere für meinen Mantel ignoriere. Wie kann ich so als Tierfreund glaubwürdig sein?

Wenn wir unsere Berufung ernst nehmen, können gerade wir nicht einfach nach Haus- und Nutztieren unterscheiden. Es sollte eine Selbstverständlichkeit für uns werden, uns für Tiere im Allgemeinen einzusetzen – und dies auch nach außen zu vertreten.

Mir ist bewusst, dass ich, selbst wenn ich zum Veganer werde, nicht an der Tatsache vorbeikomme, dass meine Katze und mit ihr Millionen anderer Haustiere, also auch Hunde, Fleisch benötigen, um gesund ernährt zu werden. Und dass ich gerade für Katzen ziemlich viel Bio-Fleisch oder -Dosenfutter kaufen müsste, um diesem Anspruch zu genügen, - was für viele tierliebende Menschen unerschwinglich ist. Dazu kommt, dass eine Wohnungskatze nicht einmal eine „artgerecht“ lebende Maus fangen kann und umso mehr auf „echtes“ Fleisch angewiesen ist.                                              

Hier wird es sicher keine sofortige Lösung geben. Ich glaube, wir müssen einfach anfangen, unser Bewusstsein dafür zu schulen, was es bedeutet, Fleisch zu essen und tierische Produkte zu nutzen,nämlich dass wir dafür Mitgeschöpfe töten müssen.

Wichtig ist mir, dass wir als Verband für einen grundsätzlich wertschätzenden Umgang mit allen Tieren stehen.

Astrid Hornig-Kühnel

Verhaltensberaterin Katze

VDTT

Der VDTT wurde 2005 durch Absolventen der ATN, der Akademie für Tiernaturheilkunde, gegründet. Die damaligen Gründungsmitglieder gehörten noch zu den Pionieren der angewandten Verhaltenskunde.

Tierberufe Ausbildung bei der ATN Akademie

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