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Amygdala - Die VDTT Online-Zeitung

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Buchtipp: Medical Training mit Katzen

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Buchtipp: Medical Training mit Katzen


Es hat schon Leute gegeben, die allen Ernstes empfohlen haben, eine Katze, die Angst vorm Tierarzt hat, einfach in einen Bettbezug zu stecken, diesen in eine Reisetasche zu packen und dem Tierarzt dann das Ganze zu übergeben. Kein Wunder, dass sich viele Katzen mit Zähnen und Krallen gegen medizinische Behandlungen wehren und furchtbare Ängste vor dem Herrn oder der Dame in Weiß entwickeln. Die gute Nachricht ist: Es geht auch anders. Mit Medical Training.


Frau Hauschild, Sie haben dem Thema Tierarzttraining mit Katzen ein ganzes Buch gewidmet. Warum?


Weil es für so viele Katzen und ihre Halter ein großes Thema ist. Tierarztbesuche sind oft für alle Beteiligten mit enormem Stress verbunden. Oft entwickelt sich ein Teufelskreis: Die Katze entwickelt immer größere Angst vor dem Tierarzt und dem Transport, der Mensch wird in Folge dessen immer nervöser, dies überträgt sich wieder auf die Katze. Dabei wird die Behandelbarkeit der Katze beim Tierarzt womöglich von Mal zu Mal schlechter. Entsprechend erfährt die Katze häufig eine zunehmend rabiate Behandlung, die wiederum ihre Angst vergrößert.


Warum reagieren viele Katzen denn so gestresst oder ängstlich auf den Besuch beim Tierarzt?


Aus meiner Sicht ist der Knackpunkt, dass in der Regel das gesamte Prozedere vom Transport in der Box, der Autofahrt, dem Aufenthalt in fremder Umgebung bis zur Berührung durch fremde Menschen der Katze völlig unbekannt ist. Unbekanntes löst sinnvollerweise meist Vorsicht und Angst aus. Diese Gefühle bewahren eine Katze davor, sich kopfüber in eine gefährliche Situation zu stürzen. Für die tierärztliche Behandlung kann dem Wunsch der Katze nach räumlicher Distanz zu beängstigenden fremden Menschen nicht nachgegeben werden. Aus Sicht einiger Katzen stellt die Untersuchung oder Behandlung durch den Tierarzt einen körperlichen Übergriff oder Angriff dar.


Und wie lässt sich dieses Problem lösen?


Indem wir die Katzen unter sicheren Rahmenbedingungen Schritt für Schritt mit den verschiedenen Elementen des Tierarztbesuchs vertraut machen und ihnen zeigen, dass Kooperation sich lohnt. Beispiele: Die Transportbox kann zu einem sicheren Ort werden, den die Katze gerne freiwillig nach Aufforderung betritt. Die Katze kann lernen, sich nicht nur streicheln zu lassen, sondern auch (fast) jederzeit absichtsvolle Berührungen an verschiedenen Körperteilen zu dulden. Erst von ihrer Vertrauensperson, später dann auch von weniger vertrauten Menschen. Wir können der Katze zeigen, dass für sie immer etwas Tolles geschieht, nachdem wir sie mit einem Gegenstand berührt haben. Die Katze kann außerdem verschiedene Signale kennen lernen, die ihr Ankündigen, was gleich passieren wird. Das macht das Aushalten von unangenehmen Situationen erträglicher, weil die Katze sich dann zumindest darauf einstellen kann.


Gibt es Punkte, die bei der Umsetzung des Training besonders wichtig sind?


Ja, definitiv! Die Devise „Viel hilft viel“ ist im Tierarzttraining sicherlich fehl am Platz. Es ist entscheidend, das Training wirklich kleinschrittig durchzuführen und die Grenzen der Katze nur minimal anzutippen. Denn jede Überforderung kann eine Verschlimmerung des Problems bewirken. Deshalb: Ganz kurze Übungseinheiten, gut durchdachtes Vorgehen, genaue Beobachtung der Körpersprache der Katze, ganz langsame Steigerung der Anforderungen. Und ebenfalls wichtig: Die Übungen werden mit Belohnungen verknüpft, die für die Katze wirklich attraktiv sind.


Was kann man noch tun, um der Katze den Tierarztbesuch zu erleichtern?


Man kann versuchen, eine möglichst katzenfreundliche Praxis auszuwählen, die bestmögliche Rahmenbedingungen bietet: feste Termine oder ruhiges Wartezimmer ohne Hundekontakt; Untersuchung mit viel Zeit und Ruhe, d.h. die Katze wird z.B. nicht aus der Box gezerrt; kein Fixieren der Katze, schon gar kein Nackengriff, sondern sanftes Begrenzen durch die Helferin; ruhige, ungestörte Atmosphäre im Behandlungszimmer; Benutzung von Schmerzmitteln vor schmerzhaften Behandlungen. Als Halter sollte man bereit sein, die längeren Behandlungszeiten entsprechend zu honorieren. Und vor allem können die Halter ihre Katzen durch die aus dem Training vertrauten Signale auch während des Tierarztbesuchs unterstützen und ihnen damit Sicherheit geben.

Tierarzttraining für Katzen
Christine Hauschild: „Tierarzttraining für Katzen – einfühlsam und spielerisch zu mehr Gelassenheit“, BoD, 2013.

VDTT

Der VDTT wurde 2005 durch Absolventen der ATN, der Akademie für Tiernaturheilkunde, gegründet. Die damaligen Gründungsmitglieder gehörten noch zu den Pionieren der angewandten Verhaltenskunde.

Tierberufe Ausbildung bei der ATN Akademie

VDTT – Berufsverband der Tierverhaltensberater und –trainer e.V.

 

sekretariatreck(@)vdtt.org

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