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Amygdala - Die VDTT Online-Zeitung

Neues und Interessantes aus der Welt der Tiere

Barfen bei der kranken Katze – Teil 1

Handfütterung Peter Gonscherowski Handfütterung

BARFEN als artgerechte Ernährung nimmt einen immer höheren Stellenwert ein. Immer mehr Katzenbesitzer entscheiden sich für diese Art der Rohfütterung (BARF = Bone And Raw Food = Knochen und Roh-Fütterung). Aufgrund dessen, dass der Besitzer die Futterration für seine Katze selbst herstellt, kann er besser beurteilen, welche Futtermittel in der Ration enthalten sind.

Auch sind viele BARFER davon überzeugt, dass diese Art der Fütterung ihrem Tier besser bekommt. Was muss aber beim BARFEN, insbesondere bei der kranken Katze beachtet werden? Gibt es Unterschiede zwischen BARFEN bei gesunden und kranken Katzen? Und wie sollten BARF-Rationen aussehen?

Grundsätzliche Aspekte zum BARFEN von Katzen

Mit BARF kann eine Katze prinzipiell gut ernährt werden. Allerdings muss beachtet werden, dass eine kranke Katze unter Umständen einen anderen Bedarf als die gesunde Katze hat.

Folgende Punkte sollten generell berücksichtigt werden:

Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Energie und Eiweiß ist bei der Katze in der Regel beim Barfen kein Problem. Als Komponenten können alle Fleischsorten (außer rohem Schweinefleisch), manche Fischsorten, Gemüse, Obst, verschiedene Ölsorten, Milchprodukte, Kräuter und Heilerde verwendet werden. Bei den Fischsorten, die keine Thiaminase enthalten, sind Barsch und Wels zu nennen. Im Gegensatz dazu enthalten Hering, Karpfen, Kabeljau, Hecht das Enzym Thiaminase, welches zu Vitamin B1-Mangel führen kann. Bei diesen Fischsorten empfiehlt sich das Dünsten des Fischs, da das Enzym Thiaminase hitzelabil ist und somit zerstört wird. Getreide, falls es zur Ergänzung einer Barfration verwendet wird, muss zum Stärkeaufschluss erhitzt werden!

Auch bei Katzen sollte von einer reinen Fleischfütterung abgesehen werden, da eine solche Fütterung aufgrund von Mangel an Strukturstoffen (Rohfaser) zu Verstopfungen führen kann. Akzeptiert die Katze kein Gemüse, kann Zellulose unter die Ration gegeben werden. Die Dosierung liegt bei 0,5–1 g Zellulose/ kg Körpermasse. Eine 5 kg schwere Katze erhält somit zwischen 2,5–5 g Zellulose/ Tag.

Die häufigsten Fehler bei selbst zubereiteten Rationen sind Mangel oder Überversorgungen einzelner Nährstoffe wie beispielsweise Calciumüberversorgung (Knochenanteil in der Ration zu hoch), Vitamin A Überversorgung (zu hohe Leberzufuhr) oder Spurenelementmangel (Unterversorgung mit Jod, Zink und/oder Kupfer). Es muss beachtet werden, dass die Katze – im Unterschied zum Hund – die Aminosäuren Taurin und Arginin, die ungesättigte Fettsäure Arachidonsäure sowie Vitamin A und Niazin über die Nahrung aufnehmen muss. Im Normalfall werden diese Nährstoffe jedoch ausreichend über eine BARF-Ration zugeführt.

Die Gefahr einer Infektion mit Bakterien (z.B. Salmonellen) oder Parasiten (bspw. Bandwürmern) sollte bei Rohfütterung beachtet werden. Mitunter hat eine kranke Katze ein schwächeres Immunsystem als eine gesunde Katze und ist eventuell eher gefährdet, sich über rohes Fleisch zu infizieren. Es ist verboten, Schweinefleisch roh zu verfüttern, da im Schweinefleisch das tödliche Aujeszky-Virus enthalten sein kann. Knochenfütterung birgt weitere Risiken wie beispielsweise die Gefahr von inneren Verletzungen, Knochenkot als Verstopfungsanzeichen und Schädigung des Zahnschmelzes.
Da die Katze schon im Welpenalter auf ihre Nahrung geprägt wird, kann mitunter eine Umstellung der Fütterung Schwierigkeiten bereiten – und nicht selten ist eine Futterumstellung bei Katzen nicht möglich. Dies kann besonders bei kranken Katzen, die eine Diät benötigen, von Nachteil sein. Um dies zu vermeiden, sollte jungen Katzen verschiedene Fütterungsvarianten angeboten werden, damit alles als „Nahrung” erkannt wird.
Grundsätzlich sollte bei jeder beliebigen Fütterung auf eine ausgewogene und ausreichende Versorgung mit Mineralien und Vitaminen geachtet werden. Bei BARF-Rationen kann anhand von computergestützten Rationsberechnungen der Bedarf und die entsprechende Versorgung des jeweiligen Tieres individuell berechnet und gegebenenfalls angepasst werden.

Krankheiten und Diätetik

Was muss ich als Katzenbesitzer bei der Zubereitung der BARF-Ration bei verschiedenen Erkrankungen beachten? Kann ich mit der richtigen Fütterung positiven Einfluss auf die Krankheit meines Tieres nehmen? Oder schade ich meiner Katze eventuell auch mit einer ungeeigneten Ration? Auf diese und ähnliche Fragen soll hier näher eingegangen werden.
Adipositas
Ein zunehmendes Problem bei der Katze ist die Fettsucht (=Adipositas). Mögliche Ursachen sind das freie Angebot schmackhafter und energiereicher Futterrationen, Bewegungsmangel und Langeweile bei reinen Wohnungskatzen und individuelle Unterschiede bezüglich des Erhaltungsbedarfes. Nach Kastration der Katze nimmt der Energiebedarf um 20–30 % des Tieres aufgrund fehlender Hormone ab.

Ebenso haben einzelne Katzen möglicherweise einen geringeren Energiebedarf und gleichzeitig eine verstärkte Neigung zum Fettansatz. Um einen Verlust an Fettmasse zu erzielen, muss zunächst die Energieaufnahme reduziert werden. Hierzu muss die Energiezufuhr auf circa 60 % des Erhaltungsbedarfes runtergesetzt werden. Jedoch darf kein vollständiger Nahrungsentzug über mehrere Tage erfolgen, da sonst die Gefahr besteht, eine idiopathische Lipidose zu provozieren.

Wichtig ist, dass während der Diät der Erhaltungsbedarf an Eiweiß zugeführt wird, da es andernfalls zu einer Abnahme von Muskelmasse (anstelle von Fettgewebe) kommen kann.

Bei BARF-Rationen dienen als Grundlage fettarmes Fleisch (z.B. Rinderfilet) oder Fisch (z.B. Thunfisch) und verschiedene Gemüse- oder Obstsorten. Wenn gewünscht, können als Kohlenhydratquelle Kartoffeln oder Reis eingesetzt werden. Auch ist es möglich, Ballaststoffe wie Futterzellulose einzusetzen. Durch die Futterzellulose werden die Passagezeit im Darm reduziert, die Nährstoffe umhüllt und dadurch vor allem die Verdaulichkeit der Kohlenhydrate herabgesetzt. In Folge dessen wird durch die Faser die Energiedichte der Ration reduziert. Sowohl bei der Reduktion der bisherigen Futtermenge als auch bei der Zubereitung einer individuellen BARF-Diät muss auf eine bedarfsdeckende und ausgewogene Versorgung mit Mineralien und Vitaminen geachtet werden.
Um eine kontrollierte Gewichtsreduktion sowie eine ausgewogene und dem Bedarf entsprechende Versorgung zu gewährleisten, ist es sinnvoll, eine individuelle Rationsberechnung durchführen zu lassen und das Futter gegebenenfalls mit entsprechenden Spuren- und Mengenelementen sowie Vitaminen zu ergänzen.

Die wichtigsten Aspekte einer Adipositasdiät noch einmal zusammengefasst:


  • Fasergehalt erhöhen auf > 5 % der Trockenmasse
  • Energiedichte reduzieren auf ≤ 1,4 MJ/100g
  • Fettgehalt reduzieren auf < 10 % der Trockenmasse
  • Eiweißgehalt erhöhen Protein/Energieverhältnis: ≥ 20 g/MJ

 

Beispiel für eine Adipositasdiät

Vorbericht: EKH – Katze, weiblich, 8 Jahre, wiegt aktuell 9 kg, Idealgewicht 5 kg

Rationsvorschlag

Futtermittel

 Menge/Gramm/Tag

 Lammfleisch

 45

 Putenfleisch

 45

 Hüttenkäse

 45

 Gemüse (Möhren, Zucchini, Spinat usw.)

 75

 Öl

 5

 Marienfelde Vitakalk

 0,7

 Zellulose

 2,5 bis 5

 Kräuter und Heilerde

 1 Messerspitze

Bei diesem Plan sollte die Katze pro Woche 1–2 % der Körpermasse verlieren, d.h. zw. 90 180 g/ Woche bzw. 360–720 g/ Monat. Wenn die Diät erfolgreich ist, erreicht diese Katze das Idealgewicht von 5 kg nach ca. 6–8 Monaten.

Die Fleischsorte kann abwechselnd gefüttert werden, insgesamt. 90 g Fleisch/Tag. Viele Gemüse und Zellulose bedeutet viel Ballaststoff, was wichtig beim Abnehmen ist. Zink, Jod, Vitamin D, B1, Biotin liegen bei diesem Rezeptvorschlag unterhalb des Bedarfs. Diese sollten, auf längerer Zeit gesehen, passend ergänzt werden. Dies ist nur ein Rationsvorschlag, um festzustellen, ob die Katze die Futtermittel frisst, und sollte längerfristig individuell angepasst werden.

Chronische Niereninsuffizienz

Bei einer chronischen Niereninsuffizienz dient die Diätetik in erster Linie der Kompensation der reduzierten Ausscheidungsleistung der Nieren oder dem Ausgleich erhöhter Verluste über die Nieren. Des Weiteren soll die Diät das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Dabei sind folgende diätetische Maßnahmen von Bedeutung:

  1. Die Eiweißzufuhr sollte je nach Blutwerten (Harnstoff, Kreatinin, Phosphat im nüchternen Zustand, d.h. mindestens acht Stunden vor Blutentnahme keine Futteraufnahme, Wasser muss zur Verfügung stehen.) reduziert werden.
  2. Verwendung eines hochverdaulichen Eiweißes mit einem hohen Gehalt an essenziellen Fettsäuren (mäßig bis deutlich fetteres Fleisch, fetter Fisch).
  3. Der Phosphorgehalt in der Ration muss in jedem Fall verringert werden, und erhebliche Phosphorüberversorgungen müssen unbedingt abgebaut werden. Eine Phosphorzufuhr von etwa 70 % des Phosphorerhaltungsbedarfes ist empfehlenswert. Daher sollte in einer Nierendiät kein Herz enthalten sein, da Herz einen sehr hohen Phosphorgehalt aufweist. Auch der Einsatz von Phosphorbindern kann eine Reduktion des Phosphorgehaltes in der Ration nicht ersetzen. Fleisch an sich ist sehr phosphorhaltig und muss bei einer Nierendiät reduziert werden.
  4. Calcium sollte in der Menge vorhanden sein, dass das Ca/P-Verhältnis 2:1 nicht deutlich überschreitet, und Vitamin D sollte reichlich, jedoch nicht übermäßig in der Ration enthalten sein (2- bis 3-facher Erhaltungsbedarf), da Vitamin D in der Niere umgewandelt wird. Aufgrund der reduzierten Leistungsfähigkeit der Niere kann es andernfalls zu einer Unterversorgung mit Vitamin D kommen.
  5. Es sollten moderat erhöhte Mengen an Kalium und Magnesium in der Ration enthalten sein.
  6. Der Natriumgehalt sollte bei einer Nierendiät knapp gehalten werden, da eine zu hohe Natriumversorgung den Blutdruck negativ beeinflussen kann.
  7. Aufgrund möglicher Verluste über die Nieren sollten wasserlösliche Vitamine reichlich in der Ration vorhanden sein.
  8. Es ist empfehlenswert, einen Nierenpatienten großzügig mit Spurenelementen (vor allem mit Eisen, Kupfer und Zink) zu versorgen, um eine ernährungsbedingte Anämie zu vermeiden. Infolge der reduzierten Nierentätigkeit wird in der Niere weniger Erythropoetin gebildet, das als Wachstumsfaktor für die Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) während der Blutbildung notwendig ist. Um eine mögliche Anämie nicht fütterungsbedingt zu verstärken, sollten die oben genannten Spurenelemente reichlich über das Futter zugeführt werden.
  9. Nicht zuletzt muss dem Patienten reichlich Energie zugeführt werden, um den Abbau von körpereigenem Gewebe zu vermeiden.


Um allen diesen Faktoren einer Nierendiät gerecht zu werden, sollte zur Berechnung einer solchen BARF-Ration ein Ernährungsberater hinzugezogen werden, da zur Ergänzung ein calciumreiches, phosphorarmes Mineralfutter benötigt wird. Handelsübliche Mineralfutter enthalten in der Regel zu viel Phosphor und sind somit zur Ergänzung einer Nierendiät meist ungeeignet.


Beispiel für eine möglichen Nieren-BARF-Ration

Vorbericht: EKH – Katze, männlich, 15 Jahre, wiegt aktuell 5 kg, Idealgewicht 5 kg


Rationsvorschlag:

 Futtermittel  Menge/Gramm/Tag
 fetteres Rindfleisch  15
 Lammfleisch  15
 Putenfleisch  10
 Öl  5
 Hüttenkäse  20
 Gemüse (Möhren, Zucchini, Spinat usw.)  40
 Marienfelde Vitakalk  0,5
 Pektin  2,5 bis 5
 Kräuter Heilerde  1 Messerspitze

Die Fleischsorten können abwechselnd gefüttert werden, insgesamt jedoch nur 40 g Fleisch/Tag: Wenig Fleisch bedeutet, geringere Belastung der Niere mit Eiweißabfallprodukten.
Längerfristig muss unbedingt Eisen, Zink, Jod, Vitamin D, Vitamin B1 und Biotin zusätzlich ergänzt werden. Mehr Marienfelde Vitakalk sollte nicht gegeben werden, da ansonsten ein zu hoher Phosphatgehalt die Ration bei einer Nierenerkrankung negativ beeinflusst! Die fehlenden Nährstoffe sollten auf längerer Zeit gesehen passend ergänzt werden. Dies ist nur ein Rationsvorschlag, um festzustellen, ob die Katze die Futtermittel frisst und sollte längerfristig individuell angepasst werden.
Pektin unterdrückt die Ammoniakbildung durch pH-Senkung im Darmbrei (Darmchymus) infolge Bildung von kurzkettigen Fettsäuren. Diese reduzieren die Ammoniakabsorption durch Beschleunigung der Darmpassage, unterstützen den Aufbau der Darmflora. Speziell der Einsatz von Pektin führt zu einer Säuerung des Darmchymus und sorgt dafür, dass nicht soviel Ammoniak gebildet und in den Blutkreislauf aufgenommen wird, wodurch die Niere zusätzlich entlastet wird, indem Ammonium über den Kot ausgeschieden wird.

Im zweiten Teil erfahren Sie alles zu Barf-Rationen bei Lebererkrankungen, chronischer Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, Futtermittelallergien und Harnsteine.

Autorin: Dr. Natalie Zorn

VDTT

Der VDTT wurde 2005 durch Absolventen der ATN, der Akademie für Tiernaturheilkunde, gegründet. Die damaligen Gründungsmitglieder gehörten noch zu den Pionieren der angewandten Verhaltenskunde.

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