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Amygdala - Die VDTT Online-Zeitung

Neues und Interessantes aus der Welt der Tiere

Sport mit Köpfchen: Obedience

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Obedience (engl.: „Gehorsam“) ist in Deutschland eine der jüngeren Hundesportarten. Sie integriert sehr unterschiedliche Aufgaben und fordert Mensch wie Hund gleichermaßen. Neben der schnellen und sehr präzisen Ausführung der Übungen wird insbesondere auf die freudige und harmonische Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund geachtet.

 

Geschichte

Wie die meisten Hundesportarten hat auch Obedience seinen Ursprung in Großbritannien, wo es bereits 1925 erstmalig als Bestandteil der „working trials“ (Vielseitgkeitsprüfungen) vorgeführt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand daraus Obedience als eigenständige Sportart, die 1951 auf den englischen „Crufts“ (Hundeausstellung) erstmals einem breiten Publikum vorgestellt wurde.

Immer etwas anderes

Beim Obedience wird im Gegensatz zur Begleithundeprüfung oder zur Unterordnung im Vielseitigkeitssport kein auswendig gelernter Ablauf geprüft. Vielmehr bestimmt der Ringsteward die Reihenfolge aus Schritten und Wendungen für jede Prüfung neu. Jede Wendung, die Winkel, Tempowechsel und auch das Anhalten und Angehen wird dem Team aus Hundeführer und Hund während der Arbeit im Ring durch den Ringsteward angesagt.

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Prüfungsklassen

Im Obedience kann der Hundesportler in 4 verschiedenen Leistungsklassen antreten: von der Beginnerklasse über Klasse 1 und 2 bis zu der nach internationalem Reglement der FCI gerichteten Klasse 3. In dieser Klasse werden auch Europa- und Weltmeisterschaften durchgeführt. Voraussetzung zur Teilnahme an einer Beginnerprüfung ist eine erfolgreich abgelegte Begleithundeprüfung. Ein Aufstieg von der einen Prüfungsstufe zur nächst höheren kann erfolgen, wenn man in einem Wettbewerb das Werturteil „Vorzüglich“ erhält (ab 256 von 320 maximal erreichbaren Punkten).

Für wen eignet sich Obedience?

Grundsätzlich kann jedes Hundeführer-Hund-Team Obedience betreiben. Da es hierbei in erster Linie um Präzision und Konzentration geht, ist diese Sportart (speziell in den unteren Klassen) eine gute Beschäftigungsmöglichkeit für Hunde aller Rassen, Größen und Altersstufen. Wer seinen Hund konsequent und kontinuierlich im Obedience ausbildet, eröffnet sich und seinem Hund eine große Anzahl an Trainingsmöglichkeiten, die auch im Alltag Anwendung finden können. Durch den schrittweisen Aufbau und die stetige Steigerung des Anspruches in den einzelnen Leistungsstufen, finden interessierte Hundesportler, die ehrgeizig genug sind, um an Wettbewerben teilzunehmen, vielfältige Aufgaben für das Training.

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Die Übungen der einzelnen Leistungsklassen:

Beginner-Klasse

 

  • Verhalten gegenüber anderen Hunden
  • stehen und betasten
  • Gebiss zeigen
  • Ablage in der Gruppe
  • Leinenführigkeit
  • Freifolge
  • Sitz aus der Bewegung
  • kommen auf Befehl
  • zurücksenden zum Platz bringen
  • Umgang Mensch-Hund

 

Klasse 1

 

  • eine Minute sitzen (in der Gruppe) mit Sichtkontakt
  • drei Minuten liegen (in der Gruppe) mit Sichtkontakt
  • Leinenführigkeit
  • Freifolge
  • Platz aus der Bewegung (Viereck 8x8 m)
  • kommen auf Befehl
  • zurücksenden zum Platz
  • Freisprung über die Hürde
  • Apport
  • Kontrolle auf Distanz
  • Umgang Mensch-Hund

 

Klasse 2

 

  • zwei Minuten sitzen (in der Gruppe) mit Sichtkontakt
  • drei Minuten liegen (in der Gruppe) ohne Sichtkontakt
  • Freifolge
  • Sitz, Platz aus der Bewegung (8×8 Viereck)
  • kommen mit Steh!
  • voraussenden in ein Viereck mit Hinlegen
  • Apport über die Hürde (Holzapport)
  • Metallapport
  • Geruchsunterscheidung aus maximal 6 Gegenständen
  • Kontrolle auf Distanz
  • Umgang Mensch-Hund

 

Klasse 3

 

  • zwei Minuten sitzen ohne Sichtkontakt
  • vier Minuten liegen ohne Sichtkontakt
  • Freifolge
  • Steh, Sitz und Platz aus der Bewegung
  • abrufen mit Stehen und Platz
  • voraussenden in ein Viereck
  • bringen auf Anweisung
  • Metallapport über die Hürde
  • Geruchsunterscheidung aus 6 Gegenständen
  • Kontrolle auf Distanz

  • In Klasse 3 darf der Hund den Ring (ein abgestecktes Feld) niemals verlassen, wird aber ab Klasse 2 ganz ohne Leine geführt.

 

Das Abliegen / Absitzen

Das Abliegen oder Absitzen erfolgt in allen Klassen grundsätzlich mit mindestens drei Hunden. Die Hundeführer entfernen sich alle gleichzeitig von den Hunden, kehren dann gleichzeitig zurück, gehen dann aber an den Hunden vorbei und stellen sich drei Meter dahinter auf, um dann erst die Grundstellung einzunehmen. Die Hunde dürfen sich nicht bewegen und keine Geräusche von sich geben.

B3 1

B3 2

B3 3

 

Die Freifolge

wird in verschiedenen Geschwindigkeiten (Normalschritt, Laufschritt, langsamer Schritt) gezeigt, wobei Links-, Rechts- und Kehrtwendungen in die Tempi eingebaut werden. Aus der Grundstellung heraus müssen 2–3 Schritte nach vorne, links, rechts oder zurück gezeigt werden. Das Hörzeichen z.B. „Fuß“ ist nur beim Angehen oder bei Tempiwechseln erlaubt. Es sind keine weiteren Hilfen (verbal oder körperlich, wie z.B Handzeichen) erlaubt. Der Hund muss sich jederzeit parallel zum Hundeführer befinden (Schulter auf Kniehöhe).

Steh, Sitz und Platz aus der Bewegung

Diese Übung wird gegen den Uhrzeigersinn an einem 8x8 m großen Quadrat gezeigt, so dass in den jeweiligen Ecken Linkswendungen gezeigt werden müssen. Die jeweiligen Hörzeichen werden nach Kommando des Ringstewards aus der Bewegung gegeben, die der Hund sofort auszuführen hat. Der Hundeführer geht nach jedem Hörzeichen ohne Tempowechsel um das Quadrat herum und nimmt den Hund nach Umrundung jeweils bis zur nächsten Schenkelseite mit, um ihn dort wieder mit einem Hörzeichen zu positionieren.

Heranrufen mit Steh und Platz

Der Hund wird ins „Platz“ gebracht, der Hundeführer entfernt sich 30–35 m und stellt sich gegenüber dem Hund auf. Auf Anweisung des Ringstewards wird der Hund gerufen und mit einem Hör- ODER Sichtzeichen nach dem ersten Drittel zum Stehen und nach dem zweiten Drittel zum Liegen gebracht werden. Die Ausführung des Hundes muss nach maximal einer Körperlänge erfolgt sein!

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Voransenden mit Richtungsanweisung

Zunächst wird der Hund zu einer 10 m entfernten Pylone geschickt, wo er in einem Radius von zwei Metern zum Stehen gebracht wird. Nach Anweisung des Ringstewards wird der Hund nun zu einem 3x3 m Quadrat (in linker oder rechter Richtung) geschickt, in welchem er zum Liegen kommt. Der Hundeführer bewegt sich nun auf Ansage auf seinen Hund zu, muss dann eine Wendung beschreiben und dann Richtung Ausgangspunkt zurückgehen. Auf dem letzten Teilstück wird der Hund ins „Fuß“ gerufen, was dieser unverzüglich einnehmen muss.

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Richtungsapport

Drei Apportierhölzer werden in 20 m Entfernung mit Abstand von 5 m ausgelegt, so dass jedes deutlich sichtbar ist. Der Hund wird zunächst zu einer 10 m entfernten Pylone geschickt, wo er in einem Radius von zwei Metern zum Stehen gebracht wird. Nun wird der Hundeführer angewiesen, den Hund zu dem zuvor ausgelosten Bringholz zu schicken und dieses korrekt zu übergeben (direkte Aufnahme, sofortiges Apportieren, perfektes Vorsitzen, bzw. in der Grundstellung abgeben).

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Hürdensprung mit Metallapport

Hund und Hundeführer stehen ca. drei Meter vor einer auf die Rückenhöhe des Hundes eingestellten Hürde (Widerristhöhe gerundet auf die nächsten 10 cm). Der Hundeführer wirft auf Anweisung das Metallapportel über die Hürde. Auf ein Hörzeichen springt der Hund über die Hürde (ohne sie zu touchieren) und bringt die Metallhantel zurück über das Hindernis in den Vorsitz, bzw. in die Grundstellung. Die Geschwindigkeit sollte in beiden Richtungen gleich schnell sein, das Apportel darf nicht fallengelassen werden oder im Fang bewegt werden.

Geruchsidentifikation

Kurz vor Beginn dieser Übung wird dem Hundeführer vom Ringsteward ein Gegenstand aus Holz (10x2 x2cm) zum Markieren gereicht. Dieser darf das Hölzchen max. 5 s in der Hand halten. Der Hund darf dieses weder berühren, noch daran riechen. Nun übergibt der Hundeführer den Gegenstand dem Ringsteward und dreht sich um. Das berührte Hölzchen wird mit 5 weiteren neutralen Hölzchen, die ausschließlich der Ringsteward berühren darf, in ca. 10 m Entfernung hinter dem Hundeführer als Reihe oder Kreis ausgelegt.
Nach dem erneuten Einnehmen der Grundstellung wird der Hund mit einem Hörzeichen zum Suchen des berührten Hölzchens geschickt. Nachdem er es, ohne die anderen zu berühren gefunden hat, muss es unverzüglich auf dem direkten Wege korrekt apportiert werden (wieder ohne Fallenlassen und Kauen).

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Distanzkontrolle

Der Hund wird auf einer vorgegebenen Stelle abgelegt. Der Hundeführer stellt sich 15 m entfernt gegenüber vom Hund auf. Nun muss der Hund auf kurze Hör- und Sichtzeichen alle 3 s sechsmal die Stellung wechseln, wobei jede Stellung zweimal gezeigt werden muss:
Im Platz verlassen, dann z.B. Sitz – Steh – Platz – Steh – Sitz – Platz.


Hierbei soll der Hund entweder zur Vor- oder Hinterhand arbeiten. Zur Hinterhand arbeiten heißt im optimalen Fall: aus dem Platz hebt er den Oberkörper an ins Sitz. Dann kommt der Hund leicht vor ins Steh, um sich danach nach hinten weg ins Platz zurückzubewegen, ohne dass die Hinterpfoten bei allen Wechseln die Position verlassen.

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Wie in allen anderen Übungen wird stets höchste Präzision und Schnelligkeit bewertet. Der Bewertungspunkt „Mensch-Hund“, wo das harmonische Zusammenspiel des Teams vom Leistungsrichter bewertet wird, fließt nur in den Leistungsstufen Beginner 1 und 2 mit ein.
Grundsätzlich werden vom Leistungsrichter maximal 10 Punkte pro Übung vergeben, wobei es, je nach Schwierigkeit einen Koeffizienten zwischen 2 und 4 gibt, mit welchem die vergebenen Punkte multipliziert werden. Jedes Abweichen, der noch viel detaillierteren Prüfungsordnung, hat einen Abzug von mindestens 0,5 bis max. 5 Punkten, bzw. auch der Entwertung (0 Punkte) der jeweiligen Übung zur Folge.
Das liest sich für alle die, die diesem Sport (noch) nicht verfallen sind, sehr anspruchsvoll und kompliziert. Aber Mensch und Hund werden mit der Beginnerklasse sehr nah an der Begleithundeprüfung abgeholt und die Steigerungen finden sich dann von Klasse zu Klasse.
Für arbeitswillige oder -wütige Hunde und Hundeführer ist Obedience ein toller, sehr abwechslungsreicher Sport, der uns immer wieder vor große Herausforderungen stellt, gelegentlich zur Verzweiflung treibt, aber auch tolle Erfolge feiern lässt und dem Menschen einen glücklichen, ausgelasteten Hund beschert!

 

PS: Und alles in bewegten Bildern:
http://www.youtube.com/watch?v=AK2GgOKnwaE
Dort sehen wir Brigitte Lange mit Murphy, die 2008 bei den Deutschen Meisterschaften im dhv gemeinsam den 1. Platz belegten.

VDTT

Der VDTT wurde 2005 durch Absolventen der ATN, der Akademie für Tiernaturheilkunde, gegründet. Die damaligen Gründungsmitglieder gehörten noch zu den Pionieren der angewandten Verhaltenskunde.

Tierberufe Ausbildung bei der ATN Akademie

VDTT – Berufsverband der Tierverhaltensberater und –trainer e.V.

 

sekretariatreck(@)vdtt.org

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