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Amygdala - Die VDTT Online-Zeitung

Neues und Interessantes aus der Welt der Tiere

Was ist ein „Tierfreund"?

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Was ist ein Tierfreund? Was ist ein Tierfreund?

Tierpsychologin und VDTT-Mitglied Frau Astrid Hornig-Kühnel macht sich Gedanken um die Achtung vor dem Tier. Sie reflektiert ihr eigenes Verhalten im täglichen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen und mahnt zu mehr Respekt.

Was ist ein „Tierfreund"?

Ich war, auch vor meinem Studium an der ATN, immer davon überzeugt, ein echter Tierfreund zu sein; weil es in meiner Familie stets Katzen gab, die liebevoll betreut und sogar ziemlich artgerecht lebten; weil ich seit 14 Jahren bei einem Pferdeflüsterer reite, Pferde als echte Individuen kennengelernt habe und betrachte, nicht als Mittel zum (Reit-)-Zweck; weil wir im Garten diverse Nisthilfen und zwei Insektenhotels aufgehängt haben und im Winter durchgängig die Vögel füttern; weil ich oft genug Mäuse vor meinen Katzen gerettet habe, mich freue, wenn Molche im Teich und Blindschleichen im Beet sind; weil ich bewusst keine Pelze oder Pelzkragen trage, und seit über 30 Jahren zwei Umweltorganisationen unterstütze ...

Wenn ich mein Leben selbstkritisch betrachte, muss ich gleichzeitig zugeben, dass ich sehr viele Jahre über manches gern hinweg gesehen habe, z.B. woher das Fleisch, was ich esse, kam, - meist war einfach der Preis ausschlaggebend. Kosmetika sollten günstig sein, oder von einer „guten" (teuren) Marke; von Tierversuchen habe ich natürlich gewusst, dies aber erfolgreich verdrängt, mir nicht bewusst gemacht, was das wirklich bedeutet, nicht nachgefragt. Dass Schuhe, Gürtel und Taschen aus Leder, also aus Tierhaut, bestehen und in diesen Mengen natürlich nur aus Massentierhaltung stammen können, darüber mache ich mir eigentlich erst seit 1-2 Jahren Gedanken.
Wie schnell meine „Tierliebe" im Alltag vergessen ist, fällt mir immer mal auf, wenn ich mich zum Kauf von irgendeinem Tierprodukt-„Schnäppchen" verleiten lasse,- das Streben nach mehr Komfort zu möglichst niedrigem Preis holt auch mich hin und wieder ein.
Aber auch eine mich nachdenklich stimmende Situation auf unserem VDTT-Seminar Ende August hat mir dieses Thema erneut bewusst gemacht: Es gab sehr viele Wespen an diesem Wochenende, eine davon verirrte sich in den Seminarraum und „belästigte" einen Teilnehmer. Zunächst versuchte dieser Teilnehmer noch, sie abzuwehren, als sie aber weiter herumflog, wurde die Wespe ohne zu zögern erschlagen, obwohl zwei Kolleginnen sich anboten, sie hinauszusetzen. Es wäre leicht gewesen, die Wespe mit einem der vielen Pappbecher, die herumstanden, einzufangen und hinaus zu befördern.
Der Vorfall hat mich vor allem aus zwei Gründen nachdenklich gemacht:
Erstens handelte es sich hier nicht um irgendeine Business-Veranstaltung, sondern um eine Fortbildung des Berufsverbandes der Tierverhaltensberater und -trainer. Zweitens hat es mich daran erinnert, dass ich dasselbe bis vor nicht allzu langer Zeit genauso gemacht habe und auch heute noch Situationen erlebe, in denen ich keinen anderen Rat weiß als das Töten von Tieren, beispielsweise wenn ich an Ameisen unter unseren Terrassenfliesen denke.
Wie sehr sind wir Tierpsychologen/innen und Tierverhaltensberater/innen wirklich bereit, Tiere per se zu respektieren und zu achten, egal ob geliebt oder nur nützlich, groß oder klein, repräsentativ oder unscheinbar, und z.B. solche, die unseren Komfort beeinträchtigen, nicht bei Bedarf einfach zu beseitigen?
Ich möchte wiederholen, was ich bereits in meinem Artikel zum Fleischkonsum geschrieben habe, dass es gerade für uns als Tierpsychologen und Verhaltensberater um Berufsethik gehen sollte: nicht nur Katzen, Hunde und Pferde, sondern Leben und Natur ganz selbstverständlich zu achten, und dazu gehört für mich auch, wenn irgend möglich, Fliegen, Spinnen, Wespen usw. „an die Luft zu setzen", aber auch z.B. Maulwürfe oder Mäuse im Garten, wenn sie denn dort wirklich Schaden anrichten, einfach gewaltlos zu vertreiben, anstatt zu Fliegenklatschen oder Gift zu greifen.
Natürlich kann ich verstehen, dass man bei einer (Wespen-) Allergie schon einmal panisch reagieren kann. Aber auch Katzen, Hunde und Pferde können uns gefährlich werden, werden wir deshalb ihren Besitzern gleich raten, sie einschläfern zu lassen? Ich glaube, dass wir, die wir gewählt haben, uns professionell mit dem Wohlergehen von Tieren zu beschäftigen, die Reife entwickeln sollten und müssen, vorzuleben, was Tierliebe und Tierschutz wirklich bedeuten; dass es nicht bei „HundKatzePferd" anfängt und danach auch gleich wieder aufhört. Denn sind nicht gerade wir prädestiniert dazu, den Tierschutzgedanken zu verbreiten und zu leben?
Dies ist bestimmt kein kurzfristiger Prozess, zu sehr sind wir damit aufgewachsen, die Tierwelt in die als Begleiter der Menschen Auserwählten und die Nutztiere einzuteilen ( d.h. solche Tiere, die Rechte genießen und solche, die eben keine haben); und „eklige", lästige oder gefährliche Tiere, die niemandem gehören, nach Belieben zu eliminieren.
Nicht zuletzt ist es natürlich auch oft unbequem: man muss genauer hinschauen, was man kauft, u.U. längere Wege in Kauf nehmen, mehr Zeit für die Auswahl investieren und mehr Geld ausgeben für manche Dinge. Gerade hat sich eine Kollegin aus der „Katzengruppe" des VDTT (wir sind eine Interessengemeinschaft von Katzenverhaltensberaterinnen, die sich über verschiedenste Inhalte wie z.B. Fallbesprechungen, Medizinisches, Seminare, Preisgestaltung u.a. austauscht) dieses Themas angenommen am Beispiel „Katzenspielzeug": Gerade wir Verhaltensberaterinnen sollten eigentlich nur tierschutzgerechtes Katzenspielzeug nutzen und empfehlen, welches nicht aus Fell, Leder oder Federn hergestellt ist, weil „wir eben auch die anderen Tiere im Blick haben" (Zitat der Kollegin).
An dieser Stelle möchte ich interessierten Kolleginnen und Kollegen das kleine Buch von J. Allan Boone „Die große Gemeinschaft der Schöpfung" ans Herz legen; spätestens bei seinen letzten Kapiteln über Freddy, die Fliege, hat sich in meinem Bewusstsein etwas verändert, und ich habe danach auch meinen Mann gebeten, nie mehr ohne Not eine Fliege oder Wespe zu töten.

Lea November 2015 010 klein

 

Astrid Hornig-Kühnel
VDTT-Katzengruppe
Tierpsychologin Katze (ATN)

VDTT

Der VDTT wurde 2005 durch Absolventen der ATN, der Akademie für Tiernaturheilkunde, gegründet. Die damaligen Gründungsmitglieder gehörten noch zu den Pionieren der angewandten Verhaltenskunde.

Tierberufe Ausbildung bei der ATN Akademie

VDTT – Berufsverband der Tierverhaltensberater und –trainer e.V.

 

sekretariatreck(@)vdtt.org

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