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IHK-Lehrgänge: Nicht immer staatlich anerkannt

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IHK-Lehrgänge: Nicht immer staatlich anerkannt Frank Wagner, DollarPhotoClub IHK-Lehrgänge: Nicht immer staatlich anerkannt

Landgericht bestätigt Ansicht des VDTT

Bieten die IHK Lehrgänge für Hundetrainer und Hundeerzieher, Verhaltensberater, Tierheilpraktiker oder Tierphysiotherapeuten an, wird diesen Lehrgängen oft eine Art staatliche Anerkennung zugeschrieben. Eine solche kann sich für einen Tierberuf aber niemals allein aus dem Status der IHK als öffentlich-rechtliche Institution ergeben, sondern immer nur aus einer Regelung im Berufsbildungsgesetz. Das hat das Landgericht Frankfurt am Main in einem Rechtsstreit zwischen dem Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V. (BHV) und dem Berufsverband der Tierverhaltensberater und -trainer e.V. (VDTT) festgestellt.

 

Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 24. Februar 2915, Aktenzeichen 3-06 0 60/14

Der BHV hatte auf seiner Homepage mit der Aussage geworben:

„Es ist dem BHV jedoch gelungen, in Zusammenarbeit mit der IHK Potsdam den ersten und bisher einzigen staatlich anerkannten Fortbildungslehrgang mit Abschluss 'Hundeerzieher/-in und Verhaltensberater/-in IHK‘ zu entwickeln und zu etablieren und stellt somit erstmals die Möglichkeit dar, einen Berufsabschluss nach dem Berufsbildungsgesetz zum ‚Hundefachwirt/-in IHK‘ zu erwerben. Die fachpraktische Ausbildung ist u.a. die Zugangsvoraussetzung für diese IHK Prüfung“.

Mehrere Absolventen des BHV/IHK-Lehrgangs zum Hundeerzieher und Verhaltensberater hatten auf ihren Homepages entsprechend und unwissentlich damit geworben, einen Abschluss als „staatlich anerkannte Hundeerzieher und Verhaltensberater“ erworben zu haben.

Vorwurf: Unzutreffende und irreführende Werbung

Der VDTT war der Ansicht gewesen, dass diese Formulierung unzutreffend und irreführend ist und gegen die Regeln eines fairen Wettbewerbs verstößt. Denn am heiß umkämpften Markt der Hundetrainer-Ausbildungen orientieren sich Ausbildungsinteressenten stark an Zertifizierungen, Gütesiegeln und „Anerkennungen“. Im Vertrauen auf deren Aussagekraft bleibt der wichtige Vergleich der Ausbildungsinhalte leicht auf der Strecke. Auch die Überprüfung, ob eine bestimmte Ausbildung rein formal und organisatorisch zu den eigenen Bedürfnissen passt, gerät angesichts von Güteversprechen schnell ins Hintertreffen. Ausbilder, die behaupten, einen staatlich anerkannten Lehrgang anzubieten, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern, die ihre Angebote nicht als „staatlich anerkannt“ deklarieren. Ebenso bedeutet das Attribut „staatlich anerkannt“ wettbewerbliche Vorteile für Praktizierende. Denn Tierhalter schauen mittlerweile sehr genau, ob und welche Ausbildung ein Hundetrainer, Tierheilpraktiker oder Tierphysiotherapeut vorweisen kann, ehe sie Hand an ihre vierbeinigen Lieblinge legen lassen.

VDTT verlangt berichtigte Darstellung

Der VDTT hatte den BHV aufgefordert, die Formulierung auf seiner Homepage zu ändern. Zur Begründung führte der VDTT an, dass der Lehrgang zum Hundeerzieher und Verhaltensberater an der IHK Potsdam nicht schon deshalb staatlich anerkannt sein könne, weil er von einer öffentlich-rechtlichen (staatlich anerkannten) Institution angeboten werde. Der Lehrgang sei vielmehr „IHK-anerkannt“. Ein Beruf muss im Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt sein, um eine staatliche Anerkennung zu besitzen. Diese Voraussetzung traf und trifft auf den Lehrgang zum Hundeerzieher und Verhaltensberater der IHK Potsdam nicht zu.

BHV klagt gegen VDTT

Der BHV kam der Aufforderung des VDTT vorsorglich nach und änderte auf seiner Homepage das „staatlich anerkannt“ in „IHK-anerkannt“. Anschließend strebte er eine gerichtliche Klage an, um feststellen zu lassen, dass die ursprüngliche Bezeichnung des Lehrgangs richtig und zulässig gewesen sei und daher keine Irreführung durch den BHV vorgelegen habe. Der VDTT habe keinen Anspruch auf die Änderung des Homepagetextes gehabt.

Gericht weist Klage ab

Das Gericht wies die Klage ab und entschied: Der VDTT hat zu Recht die Löschung der Formulierung wegen irreführender Angaben verlangt. Die Angabe „staatlich anerkannter Fortbildungslehrgang mit Abschluss ‚Hundeerzieher und Verhaltensberater IHK‘“ werde von den maßgeblichen Verkehrskreisen (Hundeerzieher, Verhaltensberater, Tierpsychologen und entsprechend Interessierte) dahingehend verstanden, dass sowohl der Fortbildungslehrgang als auch der zu erzielende Abschluss staatlich anerkannt sind. Diese Angabe sei unwahr und damit zugleich als irreführend anzusehen, so die Richter. Wörtlich schrieben sie:

„Der Kläger hat mit der Angabe „staatlich anerkannter Fortbildungslehrgang mit Abschluss „Hundeerzieher und Verhaltensberater IHK" auf seiner Homepage geworben. Diese Angabe wird von den maßgeblichen Verkehrskreisen, zu denen alle in den Berufsbildern Hundeerzieher, Verhaltensberater und Tierpsychologen sowie diesbezüglich Interessierter dahingehend verstanden, dass sowohl der Fortbildungslehrgang selbst als auch der zu erzielende Abschluss staatlich anerkannt sind. Die Formulierung ist geeignet, den Eindruck zu erwecken, dass sich die staatliche Anerkennung sowohl auf den Lehrgang selbst als auch auf den Abschluss bezieht, da „Fortbildungslehrgang mit Abschluss" als eine sprachliche Einheit empfunden wird, auf die sich das vorangestellte „staatlich anerkannter" bezieht.

Diese Angabe ist unwahr und damit zugleich als irreführend anzusehen. Nach § 4 Abs. 1 BBiG können Ausbildungsberufe durch Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie oder durch zuständige Fachministerien staatlich anerkannt werden. Eine derartige staatliche Anerkennung des Berufs „Hundeerzieher und Verhaltensberater IHK" liegt unstreitig nicht vor. Zwar ist dem Schreiben der IHK Potsdam vom 05.08.2014 zu entnehmen, dass der Begriff „staatlich anerkannt" durch IHK-eingetragene Ausbildungsbetriebe geführt werden darf, „für die Ausbildung sei die jeweilige Verordnung über die Berufsausbildung maßgebend". Eine solche Verordnung liegt jedoch unstreitig für eine Berufsausbildung „Hundeerzieher und Verhaltensberater" nicht vor. Vielmehr ergibt sich auch aus dem genannten Schreiben der IHK Potsdam, dass „die Neuordnung eines Ausbildungsberufes im dualen System auf der Grundlage der §§ 4, 5 BBiG...oberstes Ziel unserer Bildungskooperationen" ist. Daher kann schon wegen des Fehlens einer Verordnung über die Berufsausbildung die Bezeichnung „staatlich anerkannt" nicht benutzt werden.

Der Lehrgang an sich kann nur dann als staatlich anerkannt bezeichnet werden, wenn auch der diesbezügliche Ausbildungsberuf staatlich anerkannt ist. Nach den Vorschriften des BBiG ist eine Trennung zwischen der Ausbildung und dem Ausbildungsberuf nicht vorgesehen.“

„Neue“ Tierberufe: Derzeit keine staatlich anerkannte Ausbildung am Markt

Im Augenblick kann kein Anbieter von Aus- und Weiterbildungen für Hundetrainer, Hundeerzieher, Tierpsychologen, Tierheilpraktiker, Tierphysiotherapeuten u.ä. einen staatlich anerkannten Lehrgang anbieten, da bislang keiner dieser „neuen“ Tierberufe im BBiG geregelt ist. Es gibt lediglich einzelne staatlich zugelassene Lehrgänge, wie sie beispielsweise von ATN und ATM  angeboten werden. Diese Lehrgänge sind über die staatliche Zentralstelle für Fernunterricht staatlich zugelassen. Eine staatliche Zulassung ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer staatlichen Anerkennung.

Fazit

IHK-Lehrgänge für Hundetrainer, Tierheilpraktiker, Tierpsychologen, Tierphysiotherapeuten und Verhaltensberater dürfen nicht als staatlich anerkannte Lehrgänge beworben werden, nur weil sie von einer IHK angeboten werden. Die IHK sind in Bezug auf Lehrgänge in gesetzlich bislang ungeregelten Tierberufen allen anderen Ausbildungsanbietern gleichgestellt.

Wichtig für Interessenten entsprechender IHK-Lehrgänge: Berücksichtigen Sie, dass die Kernkompetenz der IHK im kaufmännischen Bereich angesiedelt ist und nicht im naturwissenschaftlichen Sektor. Um ein guter Hundetrainer, Tierheilpraktiker o.ä. zu werden, sind jedoch gerade die naturwissenschaftlichen Kenntnisse essenziell: Biologie, Ethologie, Lerntheorie und tiermedizinisches Grundlagenwissen. Die IHK sind erstklassige Partner, wenn es um unternehmerisches Know-how geht. Ihnen fehlt jedoch die fachliche Kompetenz, um Naturwissenschaft in der erforderlichen Breite und Tiefe lehren und prüfen zu können bzw. um entsprechende Angebote von Bildungspartnern adäquat unter die Lupe nehmen zu können.

Das Urteil ist rechtskräftig.

VDTT

Der VDTT wurde 2005 durch Absolventen der ATN, der Akademie für Tiernaturheilkunde, gegründet. Die damaligen Gründungsmitglieder gehörten noch zu den Pionieren der angewandten Verhaltenskunde.

Tierberufe Ausbildung bei der ATN Akademie

VDTT – Berufsverband der Tierverhaltensberater und –trainer e.V.

 

sekretariatreck(@)vdtt.org

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